Das ist Helena Poterska.

Geboren am
25.April 1925
in Poznań, Polen.

Posen Berliner Tor ungelaufen ca. 1920

Helena wuchs sehr behütet auf. In einer liebevollen Familie. Drei Brüder, eine Schwester.

Sie war eine gute Schülerin, ging aufs Gymnasium – sie wollte Lehrerin werden.

Sie war 16 als die Gestapo sie verhaftet.

Überfall Polen United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of National Archives and Records, Administration, College Park, 09866
1939 überfallen die Deutschen Polen. Unter ihrer Terrorherrschaft wird jeder Widerstand der Polen brutal unterdrückt und die jüdische Bevölkerung fast ausgelöscht. Poznan wird wieder zu Posen und Hauptstadt des neu geschaffenen Reichsgau Wartheland. Ein großer Teil der polnischen Bevölkerung wird vertrieben, in KZ oder zur Zwangsarbeit verschleppt.

Auf dem Schulweg. Sie wurde zusammen mit ihrer Freundin Wanda in ein Auto gezerrt und gekidnappt.

Einfach so.
Ohne Begründung.

Die Ohrringe, die sie trug, nahm man ihr weg – von Wanda wurde sie getrennt.

Arolsen Archives

Helena kam ins KZ.

Zunächst in das Fort VII in Posen.

Fort VII Colomb City Monument Conservator Poznań, cyryl.poznan.pl
Das Fort VII Colomb war eine Terrorstätte, in der zwischen 1939-1945 vermutlich Tausende Polen ermordet wurden. Es war ein Lager der lokalen SS und Gestapo.

Dann von
Lager zu
Lager.

Konzentrationslager Ravensbrück Fotograf/in unbekannt, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Foto-Nr. 1642 u. 1643
Ausgehend von Posen begann eine Odyssee durch verschiedene KZ und 
KZ-Außenlager. Von einem Dokument aus den Arolsen Archives wissen wir, dass sie am 15. März 1944 in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert wurde.

Sie wusste oft nicht einmal, wo sie sich gerade befand.

4 Jahre in unmenschlichen Bedingungen.

4 Jahre
Zwangs-
arbeit.

Zwangsarbeit Neuengamme ANg 1986-7387
Das letzte Lager, in dem Helena Zwangsarbeit leisten musste, war ein Außenlager des KZ Neuengamme in Salzgitter. Bis zu 800 Frauen mussten dort für die Stahlwerke Braunschweig Granaten herstellen. Das bedeutete Schwerstarbeit unter schlechten hygienischen Umständen und mit mangelnder Verpflegung.

4 Jahre
Todesangst.

Im Frühjahr 1945 wurde sie befreit. Sie war 20 Jahre alt.

Befreiung KZ Ravensbrück ICRC archives (ARR)
Die Befreier kamen für viele Häftlinge buchstäblich in letzter Minute. Tausende waren kurz zuvor gestorben oder starben in den nächsten Tagen und Wochen. Anders als diese Frauen aus dem KZ Ravensbrück waren viele Überlebende zu schwach, um zu sitzen oder zu laufen.

Viele der Überlebenden waren stark abgemagert und wurden in Displaced Persons Camps versorgt.

Displaced Persons ICRC archives (ARR)
Die Alliierten prägten den Begriff Displaced Persons. Als sie Deutschland und die von den Deutschen besetzten Länder befreiten, trafen sie auf bis zu zwölf Millionen Menschen, die sich durch die NS-Verfolgung außerhalb ihrer Heimat befanden. Die Lebens- und Verfolgungswege dieser Menschen sind sehr unterschiedlich.

In Salzgitter, in ihrem „kleinen Bungalow“. Endlich durfte Helena sich wieder als Mensch fühlen.

Jeden Tag wurden deutsche Kriegsgefangene am Camp vorbei geführt.

Kriegsgefangene United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Daniel Branson, 07104
Nach Kriegsende kamen Millionen deutscher Soldaten in Deutschland und den ehemals besetzen Gebieten in Kriegsgefangenschaft. Das Foto zeigt Kriegsgefangene der US-Army.

Helena hatte Mitleid. Sie warf den Männern Essen und Zigaretten zu.

Und mit einem von ihnen unterhielt sie sich länger. Bald jeden Tag. Am Zaun entlang.

Portrait von Helmut Gutleber Foto aus Familienfundus
Portrait von Helmut Gutleber

Kurz nach Kriegsende eine undenkbare Beziehung.

Helmut floh und machte sich mit Helena auf den Weg. Zu Fuß. Von Salzgitter nach Würzburg.

Karte von Helena Poterskas Flucht

Eine Flucht in ein neues Leben.

In Würzburg heirateten die beiden, die erste Tochter folgte. Doch sie stießen auch Jahre später noch auf Ablehnung. Ein Deutscher und eine Polin?

Stadtarchiv Würzburg, 1336/K12

In den Köpfen war für viele der Krieg noch nicht vorbei.

Aber Helena war fest entschlossen, sich ein normales Leben aufzubauen. Ihre Kriegserfahrungen sollten sie nicht definieren. Sie lernte fließend Deutsch, machte Karriere und zog ihre Kinder so liebevoll auf, wie sie es von ihren Eltern gekannt hatte. Sie blieb ein warmherziger, sozialer Mensch, obwohl das Trauma der Kriegsjahre ein Leben lang auf ihr lastete.

Bild von Helena Poteskas Familie

Die Schreie der Menschen in den Lagern würde sie nie vergessen.

Karte von Helena Poterskas Heimat

Der Kalte Krieg erschwerte den Kontakt zu ihrer Familie in Poznań. Helena ließ sich dennoch von Schleppern nach Polen einschleusen. Sie schaffte es bis nach Hause. Doch einen Tag später wurde sie verhaftet. Sie kam für 9 Monate ins Gefängnis. Spionageverdacht. Am Ende schaffte sie es zurück nach Deutschland zu Mann und Kind. Ihre Mutter und Geschwister sah sie niemals wieder.

Effekten Helena Poterskas

Doch die Ohrringe, die die Nazis Helena bei ihrer Verhaftung abgenommen hatten, fanden 77 Jahre später den Weg zurück zu ihren Töchtern. Eine Erinnerung an die verlorene Jugend der mutigen Helena Poterska.

Zu Helenas Effektenseite

Schul- und Bildungsprojekte

Die „Effekten“ und die Schicksale ihrer Besitzer sind greifbar und bieten spannende Möglichkeiten für ein forschendes Lernen über die NS-Verfolgung im Unterricht wie in Projekten. Wer tiefer einsteigen möchte, kann dabei helfen Familien zu finden.

Thematischer Einstieg

Was sind Effekten und was können wir mit ihnen erforschen? Material für einen kurzen Einstieg in die Thematik zu Beginn einer Schulstunde oder eines Projekttags. (verfügbar ab 09/2020)

Lerneinheit 1

Auseinandersetzung mit der NS-Verfolgung am Einzelschicksal: Lerneinheit zu den drei unter „Memories“ präsentierten Personen; Erarbeitung eines Zeitstrahls. (verfügbar ab 09/2020)

Lerneinheit 2

Effekten von KZ-Häftlingen als Schlüssel zur Untersuchung der NS-Verfolgung: Vertiefende Lerneinheit mit Dossiers zu 20 Biographien und einer Europakarte (verfügbar ab 09/2020)

Lerneinheit 3

Mithelfen bei der Rückgabe! Instagram-Postings zur Unterstützung der Suche nach Angehörigen: Lerneinheit mit interaktiver Karte; eigene Suchaufrufe verfassen. (verfügbar ab 09/2020)

Über uns

Auf unserer Website könnt ihr mehr über unsere Arbeit erfahren. Und wie ihr mitmachen könnt, um die Erinnerung und Geschichte wachzuhalten.

Arolsen Archives

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